One work dates pox-oaths to the 15th century. From
Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und aus seinem Umkreis. Edition und Kommentar. Herausgegeben von Stefan Hannes Greil und Martin Przybilski unter Mitarbeit von Theresia Biehl, Christoph Gerhardt und Mark Ritz. Mit einem Beitrag von Nikolaus Ruge. 2020.
Quote:Textsortenbedingt ist eine auffällige Tendenz zur Verwendung eines allerdings begrenzten Inventars an Interjektionen konstatierbar, namentlich pox‚ (verhüllend für) Gott (=Teufel)‘ (82.119 u.ö.) in den Syntagmen pox leichnam ‚Zum Teufel!‘ (60.119 u.ö.), Pox haut (63.82 u.ö.) ‚Zum felligen Teufel!‘, Sammer poxlung (86a.35), pox grint ‚Bockskopf!‘ (88.139 u.ö.), unikal allein das besonders obszöne Potz fut (100.296) ‚Zum Fotzenteufel‘. Ergänzt wird der Bestand durch se (83.108) ‚Siehe da!‘, samer (86b.35) ‚Gott steh mir bei!‘, plaw (88.529; vermutlich Verlesung aus plan) ‚Wohlan!‘ sowie die Onomatopoetika mum, mum (88.481 u.ö.) und Schnip [...], Schnap (96.19*)
Full list of attestations in the text, with footnotes:
Bruder:
Pox leichnam, ich torst dich wol schier vmb zyehen,
Das du dein lebtag gedechst daran!
Footnote:
pox leichnam: Die seit dem 15. Jahrhundert auch als kotz oder potz in Flüchen auftretende Interjektion pox ist eine Entstellung des Genitivs Gottes. Sie entstand, um den Namen Gottes nicht in einem Fluch zu gebrauchen (HdA 2, Sp. 1638).
leichnam bezeichnet hier den Leib Christi (DWb 12, Sp. 627f.)
Ein ander pawer:
Pox haut, ich mein, ir seit nit klug,
Das ir solch vnuernuft facht an.
Pox: Die seit dem 15. Jahrhundert auch als
kotz oder
potz in Flüchen auftretende Interjektion ist eine Entstellung des Genitivs Gottes, um dessen Namen nicht zu missbrauchen (HdA 2, Sp. 1638); das FrnhdWb vermutet hingegen bei
pox bzw.
bocks eine Anlehnung an den in Bocksgestalt auftretenden Teufel (FrnhdWb 4, Sp. 881f.). Im Kontext mit haut scheint hier die Vorstellung eines felligen Teufels vorzuliegen.
Der ander pawr:
Pox leichnams willen, thu schon, wie reyst!
schon ‚schön‘,
reyst ‚redest‘
O helfft, lieben friunt, pox leichnams willen!
Halt, halt, pox leichnams willen, halt!
O nit, poxleichnams willen, nicht!
Pox pauch, das wer meinem nachpauren ein guter artzt!
In der Kombination mit
pauch wohl in der Bedeutung ‚Mist-, Drecksbauch‘.
Samer pox hawt, daß ist gelogen!
Samer pox:
Samer ist eine aus sam mir kontrahierte Interjektion, die ursprünglich für
sam mir got helfe stand (DWb 14, Sp. 1745). Die seit dem 15. Jahrhundert auch als
kotz oder
potz in Flüchen auftretende Interjektion
pox ist eine Entstellung des Genitivs
Gottes, um dessen Namen nicht in einem Fluch zu gebrauchen (HdA 2, Sp. 1638); das FrnhdWb. vermutet hingegen bei
pox bzw.
bocks eine Anlehnung an den in Bocksgestalt auftretenden Teufel (FrnhdWb 4, Sp. 881f.); vgl. Z. 40, 64.
Pox leichnam, wem soll aber daß?
wem soll aber daß? ‚wem soll das nutzen?‘
Samer pox lung, los der red no!
los der red no ‚lass das Gerede sein, halt die Klappe‘
Sammer poxlung, das ist gelogen!
Ey, poxleichnam, was sol aber das?
Samer poxleichnam, laß die dinck no!
laß die dinck no ‚lass das Gerede sein‘
Oder, samer poxhaut, ich nim jn bey eim pein
Ey, so wer dich, das dich poxleichnam schend!
Pox lauß, ich mocht mich auch leicht verweylen,
lauß ‚Laus‘ (DWb 12, Sp. 352).
Pox leichnam, solt ich sein kumen vmbß leben,
Pox grint, was teufels pist dann du?
pox grint: Die seit dem 15. Jahrhundert auch als
kotz oder
potz in Flüchen auftretende Interjektion
pox (Potz Blitz!) ist eine Entstellung bzw. Abwandlung des Genitivs
Gottes zwecks Vermeidung der Nennung des Allmächtigen in derartigen Zusammenhängen (HdA 2, Sp. 1638). Das FrnhdWb vermutet bei
pox bzw.
bocks eine Anlehnung an den in Bocksgestalt auftretenden Teufel (FrnhdWb 4, Sp. 881f.), was zumindest an der vorliegenden Stelle durch die Verbindung mit
grint ‚Kopf‘ (DWb 9, Sp. 370f.) durchaus sinnig erscheint: ‚Bockskopf‘; vgl Z. 227, 576.
was teufels ‚was für ein Teufel‘
Pox leichnam, Feitlein, sich, was narren.
Pox leichnam, stinckt der hund so vbel!
〈P〉ox grint, ich mein, wir gen nit recht!
Pox swicz, mir gab eins eyne ler,
Pox swicz ‚Potz Schweiß‘
Pox grint, Els, war wilt mit dem narn?
Els:
Els wurde zunächst als Druckfehler aufgefasst und zu
Es konjiziert. Keller setzt
Els als Eigenname an, der Bezug an dieser Stelle ist zunächst jedoch unklar. Arndt führt
Else als Personennamen (Arndt: Personnennamen, S. 54), allerdings fehlt die vorliegende Stelle dort. Es fällt auf, dass der Nachdruck
els war zu
elß wu ändert, während sich der Schreiber von G beim l verschreibt, er setzt zu einem runden s an, das er zu einem l verbessert. Es scheinen also auch bei den anderen Überlieferungen Unsicherheiten bestanden zu haben. Am wahrscheinlichsten ist
Els als allgemeine Anrede an eine Frau zu deuten, im vorliegenden Fall eben Frau Venus. Der Name
Else wurde gemeinhin zur Benennung für eine bäuerliche Frau gebraucht bzw. in der Bedeutung ‚Xanthippe‘ verwendet. Aus dem 16. Jahrhundert ist ein Fastnachtspiel von Peter Probst mit dem Titel ‚
Ein vasnacht spil von einer bauren heirat mit der pösen Elsen‘ überliefert (Kreisler: Probst, S. 75ff.) und Henisch führt 1616 die Redensarten
Wehre liebe Else wehre / das wir reich werden / brichstu kruͤ g / so brich ich toͤpffen in Bezug auf ein zankendes Ehepaar und
Wie Henne vnd Else tantzen in Bezug auf einen bäuerlichen Reigen und ungünstiges Liebesinteresse auf (Henisch: Sprach, Sp. 873).
war wilt mit den narn? ‚wohin willst du mit den Narren?‘
Do sprach ich: eÿ pox leichnams willen, jo!
Samer pox leichnam, wass sol ich sagen,
Pox grint, ich solt mich auch eins ruͤmen,
eins ‚einer Sache‘
Pox grint, dir ist genaw wie mir!
Potz fut, ich ward gar zeitlich wund.
Potz fut: Die seit dem 15. Jahrhundert auch als
kotz oder
pox in Flüchen auftretende Interjektion
potz ist eine Entstellung bzw. Abwandlung des Genitivs
Gottes (HdA 2, Sp. 1638). Der zweite Teil des Ausrufs zu mhd.
votze: ‚Vulva‘.
Pox leichnam, kuͤng, sich vmb auff,
leichnam bezeichnet hier den Leib Jesu Christi, vgl.
Fronleichnam (vgl. DWb 12, Sp. 627f.).
sich vmb auff ‚pass rundherum auf‘
Jch slach – samer pox hawt! – mit pruͤgeln zu.
Das dich pox leichnam schent als narn!
schenden ‚tadeln‘